Reisebericht Argentinien

Am Samstag, den 24. Mai habe ich meine Reise gestartet. Meine erste Busfahrt hatte das Ziel Buenos Aires, von wo aus ich einen Flug ans Ende der Welt gebucht hatte. Diese zehn Stunden Fahrt waren nur zur Haelfte angenehm, denn trotz eines supermodernen Doppeldeckers schafften es die Fahrer nicht, ein wenig Frischluft in die Passagierkabine zu blasen. So konnte ich wegen Sauerstoffmangels nicht sehr gut schlafen, tja so ist das halt. Vom Buenarenser Busbahnhof "Retiro" bin ich morgens um acht dann per Taxi zum "Aeroparque" geduest, um noch rechtzeitig einzuchecken. Doch ich habe die argentinische Arbeitsweise nicht miteinberechnet. Der Flug mit "Lapas" wurde gecancelt und ich wurde in die "Aerolineas Argentinas" Maschine umgebucht. So konnte ich mir, zum Glück bei schoensten Wetter, den Flughafen, der direkt am Rio de la Plata liegt, für einige Stunden anschauen. Spannend! Und das auch noch todmuede. Wird das die einzige Unregelmaeßigkeit sein?

Letztendlich hob ich ab und hatte einen wunderschoenen Flug nach Ushuaia (Feuerland). Kannst du dir das vorstellen, du fliegst dreieinhalb Stunden und bist immer noch im selben Land? Der Anflug ueber das feurlaendische Gebirge in sehr geringer Hoehe und dann die Landephase ueber dem Beagle Kanal (suedlich der bekannten Megelan Straße und nur noch ca. 100 km von Kap Horn entfernt) war traumhaft! Die richtige Einstimmung fuer diesen Reiseabschnitt mit den kuerzesten Tagen (Spaetherbst, Hoehe von Daenemark).

Drei Tage land wanderte ich durch einen Nationalpark, machte eine Schiffsfahrt zu Seehund- und Kormoran-Inseln und marschierte die einzige Skipiste Feuerlands (erschien doch sehr langweilig fuer uns Alpinisten) bis zu einem Gletscher hinauf. Das alles bei traumhaften Wetter und immer in Gegenwart dieser genialen Landschaft, der Kanal mit den sich vom Meeeresspiegel aufbauenden, bis auf 2300m hohen Bergen. Ein erster Hoehepunkt ging zu Ende und ich mußte mich auch von der sympathischen Herberge, mit Blick vom Bett aus auf den Kanal und diesen taeglichen genialen Sonnenaufgaengen um 9.30 Uhr und -untergaengen um 17.45 Uhr, verabschieden.

Nach meiner weiteren Reiseplanung vor Ort und mit Hilfe der Turi-Info buchte ich einen guenstigen Flug nach Rio Gallegos im Sueden Patagoniens, der Provinz Santa Cruz. Busse fahren zwar fast ueberall hin, doch gibt es Ausnahmen. Vor allem in der Nebensaison (!) fahren sie nicht alle Tage, im besonderen nicht am Ende der Welt.

Ich wurde mir dessen erst richtig in der unglaublichen Weite Patagoniens bewußt. Es gibt Tourismus, klar, doch fehlt schon noch einiges an Infrastruktur! Die Straßen, die ich mir als Reiseroute ausgesucht hatte sind Schotterpisten ohne Bushaltestellen. Nun begann das Zeitalter der nicht gerade billigen Exkursionen.

Ich fuhr mit dem Bus nach Calafate (das stellte sich noch nicht als Problem dar). In diesem Ausgangsort fuer einen Besuch des Perito Moreno Gletschers hoffte ich eine Exkursion zu diesem Naturspektakel zu finden. Por fin habe ich ein Reisebuero gefunden, das eine Exkursion fuer den Folgetag angesetzt hatte.

Auf der zweistuendigen Fahrt (Schotter) konnte ich die Natur Patagoniens (die ersten Kondore meiner Reise), genießen. Als ich den Gletscher zum ersten Mal sah, stand ich erst einmal ein paar Minuten mit offenem Mund davor und staunte. Ich erlebte eine Art Buehnen-Effekt, da eine Nebelbank vorerst die Sicht versperrte und sich erst durch ein laues Lueftchen der Blick auf diesen Riesen eroeffnete (Nebel ist sehr selten und war ein besonderes Ereignis?, da normalerweise der Wind recht ordentlich ueber Patagoniens Felder pfeifft). Nun, drei Stunden betrachtete ich dieses Monstrum von 4km Breite, 60m Hoehe und 40km Laenge. In der letzten halben Stunde ereignete sich ein Spektakel: Der Gletscher, der als einziger der Welt immer noch waechst (niemand weiß genau warum), hatte genug geschoben, so daß er anfing abzubroeckeln. Ich konnte das von meiner gegenueberliegenden Perspektive in 200m Entfernung bestens beobachten. Klitzekleine Eisstueckchen (25m hoch und 7/8m breit) loeßten sich, wie in Zeitlupe von dem Mutterklot. Als sie nach einem 15-20m hohen Flug schließlich im Wasser ankamen, spritzte es unter einem Mordsgetoese beinahe bis zu mir hinauf. Unglaublich! Diesen Anblick zu beschreiben ist recht schwierig, doch mit Hilfe meiner Dias hoffe ich das eine oder andere fuer interessierte zu veranschaulichen.

Am naechsten Morgen wollte ich eigentlich weiterziehen, doch am abend zuvor kam ueberaschender Weise Mathias, den ich im Parque Nacional de Tierra del Fuego kennengelernt hatte, in meiner Hospedaje vorbei. Er erzaehlte mir von einer Exkursion einer sehr internationalen Backpackers-Gruppe nach El Chalten. Ich war hin und weg, denn ich hatte diese Alternative meiner Route, aufgrund fehlender Leute fuer eine Exkursion, bereits aufgegeben.

So stornierte ich mein Bus-Ticket und machte mich mit 1 Englaenderin, 1 Ami, 1 Koreaner, Mathias und 2 Japanern auf den Weg zu den skurrilen Bergformationen des Fitz Roy Massivs. Die Fahrt war wieder einmal sehr stressig, 220km Schotterpiste in zweieinhalb Stunden, die fahren hier alle wie die Sau! Ist auch nicht ganz ungefaehrlich. Andererseits war ich auch froh schnell am Zielort anzukommen.

Wir richteten uns kurz in einer sympathischen Herberge ein und marschierten die erste der zwei gewoehnlichsten Wanderwege ab. Zuerst ging zum Fuß des Cerro Torre, einer der technisch schwierigsten Berge der Welt. Nach drei Stunden kamen wir an, doch wir hatten das Pech, wie so viele andere vor uns auch, daß die Gipfel mit Wolken verhangen waren.

Aber die Vorstellung das sich von hier aus ein turmaehnlicher Felsen beinahe 2500m in den Himmel reckt war auch schon beeindruckend. Das Trekking machte sehr viel Spaß, denn man konnte eine unvergleichliche Landschaft genießen und Teile der aufregenden Fauna bestaunen (Papageien, Kondore (bis auf 20m), einen Hund, der uns auf dem ganzen Weg begleitete und eine Pumaspur).

Am naechsten Morgen war die zweite Tour angesagt. Wir mussten im Dunkeln aufbrechen, um den Bus um 16 Uhr noch zu erwischen. Nach vier Stunden kamen wir am Fusse des Fitz Roy oder auch El Chalten (Indianersprache) an. Es hatte schon seit einiger Zeit zum Regnen angefangen und wir waren klitschnaß und froren bis auf die Knochen. Vom Gipfel wieder keine Spur, wolkenverhuellt. Also marschierten wir recht bald wieder gen warme Herberge und machten nur eine kurze Pause in einem Refugium. Fast zuhause angekommen stieg ich noch einmal in den Berg, da ich ein Kondornest entdeckt hatte. Leider flog er nicht zu mir und fraß mir aus der Hand (HaHa) doch kam ich dem Koenig der fliegenden Wesen sehr nahe, was fuer mich bedeutete einen Fauna-Wunsch erfuellt zu haben. Doch dann kam die wohl verdiente Pause und eine Dusche.

Nun musste ich aber den ganzen Weg bis Rio Gallegos zurueckfahren, da die Ruta 40, wie schon erwaehnt keine Bushaltestellen hat. El Chalten - Rio Gallegos 6 Stunden, dann Rio Gallegos - Puerto Madryn 18 Stunden.

Ich konnte nicht mehr sitzen und nur die Vorfreude auf das Whale-watching hielt mich am Leben. Ich war bei der Peninsula Valdes, dem Treffpunkt der Tiere Patagoniens.

Am ersten Tag fuhr ich mit Santiago (Buenarenser) und seiner Freundin aus der franz. Schweiz mit dem Rad zu einer Loberia (Seehundkolonie). Mit einem wunden Arsch (Stahlsattel), aber mit dem Eindruck bereits aus der Ferne gesehener Waale (Schwanzflosse) und bruellender, bzw. brutal ruelpsender Seehunde war ich wieder in Puerto Madryn. Dazu muß ich sagen, dass ich die ganze Zeit in Córdoba zwei verschiedene Dinge hoerte, einmal, dass die Waale schon da seien und ein andermal, dass sie nicht vor Juli kommen. Ich war also total happy! Waale zu sehen, mein zweiter Fauna-Traum!

Es blieb nicht beim Traum, am folgenden Tag fuhr ich, weiderum mit den beiden, nach Puerto Piramide, auf der Peninsula Valdes. Dort charterten wir ein Boot und starteten eine weitere Exkursion. Welch ein Erlebnis! Ein Waal-Weibchen (16m) mit ihrem Kind beglueckte uns mit seiner Neugier. Sie tauchten unter uns durch, schauten neugierig ins Boot, konnten aber nicht ihre Schwanzflosse zeigen, weil das Wasser nur 8m tief war. Knapp drei Stunden fuhren wir mit dem Boot umher, sahen noch andere Waale, die nicht so neugierig waren, Seehunde und -loewen und Pinguine, die zu dieser Zeit eigentlich nicht in der Gegend sind. Leider tauchte kein Orca in unserer Naehe auf, die hier normalerweise oft anzutreffen sind.

Am Abend rief ich dann Carla (Austauschschuelerin von anno dazumal) an, um anzukuendigen, dass ich am naechsten Tag in BsAs sein wuerde.

So kam ich also nach weiteren 18 Stunden Busfahrt in BsAs an und ging direkt zu Carlas Arbeit (sie ist nun Chefin eines Postamtes!). Sie hat sich ganz schoen veraendert, fast schon ein Vamp geworden! Nun, die naechsten drei Tage verbrachte ich mit Diego (Carlas Freund), Pipi (Bruder) und ihren Eltern. Alle sehr nett, mit lautem Familienleben. Wenn die einmal das diskutieren anfangen, dann hat der recht, der am lautesten schreit. Ich schaute mir also Teile BsAs unter Fuehrung von alten und neuen Freunden an, andere Teile erkundete ich im Alleingang, mit Reisefuehrer unter dem Arm. Eine gigantische Stadt! Superhektisch, das ich am eindrucksvollsten merkte, wenn ich mit dem rammelvollen Bus von meiner superguenstigen Herberge ins Zentrum nehmen musste (40 Minuten, wie bereits erwaehnt mit saumaessigen (guten) Fahrern). Vom Tango bekam ich nicht so viel mit, doch bereitete mir Papa Carla mein erstes Asado. Vollgemampft vom Vortag machte ich mich am letzten Tag meines Aufenthaltes auf den Weg, Montevideo (Hauptstadt Uruguays) mit einem Tagesausflugsprogramm kennenzulernen. Es war die Kohle wert, mit diesen superschnellen Tragflaechenboot (60km/h) ueber den Rio de Plata zu heizen und mir klein Rio anzuschauen. Ein ruhiges Staedtchen mit Straenden und einem kleinem Huegel, der einen wunderbaren Blick auf die Stadt offenbarte. Gut, also wieder zurueck, und Vorbereitung auf den Abflug am naechsten Tag zu den Iguazu Wasserfaellen.

Der Flug, derselbe Flughafen, hatte natuerlich wieder Verspaetung und ich konnte mir abermals die Fuesse vertreten...

so kam ich erst am Abend im auessersten Nordosten Argentiniens an und verpasste so den Anblick der Wasserfaelle von oben. Que pena! Doch auch von unten waren sie eine Show! Ich schaute sie mir von zwei Seiten aus an: der argentinischen und der brasilianischen. In Argentinien konnte ich direkt an den Wasserfaellen entlang marschieren und von der brasilianischen Seite hatte man einen doch wesentlich imposanteren Eindruck ueber die Groesse dieses Naturschauspiels. Das waren also zwei fantastische Tage, die nachts von einem unglaublichen Gewitter unterbrochen worden sind. Es dauerte gute 6 Stunden und es waren immer diegleichen Wolken, die nicht aufhoerten Blitze am laufenden Band zu schleudern.

Bevor ich weiterfuhr spazierte ich noch zu dem Dreilaender-Eck, Argentinien, Brasilien und Paraguay, das durch die Fluesse Parana und Iguazu abgegrenzt wird. Ein traumhaftes Panorama.

Es ging wieder weiter. Mit einem Bummelbus, der an jedem "Bauernhof" anhielt kaempfte ich mich bis zu einer alten Jesuitenmission "San Ignacio" und betrachtete mit Respekt diese historischen Ruinen. Doch sonst war dort nichts los, so dass ich noch nach Posadas tuckerte. Dort uebernachtete ich in einem Residencial von deutsch/oesterreichischen Auswanderern und ich konnte seit langer Zeit endlich wieder einmal Deutsch reden. Der Hausherr kam aus dem Tirol! Vor der naechsten langen Etappe fuhr ich fuer wenige Stunden ueber den Parana nach Paraguay und kaufte mir den einzigen Diafilm zum "Normalpreis".

Wieder einmal die magische zwanzig Stundenhuerde ueberschritten! Diese Busse, ich konnte sie schon nicht mehr sehen! Ueber Santiago del Estero, Tucuman, das ich mir ein wenig anschauen konnte, ging es nach Jujuy im Nordwesten. Dort konnte ich mir die fantastische Quebrada de Huamauaca anschauen. Irre Stein- und Felsformationen in bis zu sieben verschieden Farben (Purmamarca), eine wiederaufgebaute Indianersiedlung mitten in einem Kakteenwald (Tilcara) und das Staedtchen Huamauaca auf bereits 3000m Hoehe.

Nach Jujuy beendete meine Reise die eindrucksvolle Stadt Salta "la linda". Zwischen bis zu 6200m hohen Andenriesen liegt sie in einem Tal und strahlt in ihrer Schoenheit. Von Salta startete ich meine letzte Exkursion. Um 7 Uhr in der Frueh bestieg ich den "Tren al las nubes", den Zug zu den Wolken. Nach siebenstuendigem Kampf durch die Puna und ueberwundenen 3000m Hoehenunterschied kam der Zug am Ziel (4200m) an. Einem 60m hohen Viadukt. Dort warteten einige Dutzend Indianer, um uns mit Pullis und was weiss ich noch zu bestuermen. Sehr touristisch das Ganze. Unbequemer, aber mit mehr Abenteuerflair kann man das auch mit einem Gueterzug hinter sich bringen, doch der passte leider nicht in meinen Plan. Diese Fahrt war sehr anstrengend, denn ab 4000m Hoehe merkte ich, dass mir langsam der Sauerstoff knapp wird. Mein Kopf drueckte und mein Magen bedankte sich mit Uebelkeit fuer den Verzehr wahrscheinlich zu vieler Coca-Blaetter, die ich auf anraten einer Dozentin staendig kaute, um das "apunamiento" zu vermeiden. Geholfen hat es nicht, wohl eher im Gegenteil, die gute Frau hatte wohl vergessen, dass auch ein Magen sich an solche Kost gewoehnen muss. Dennoch, die Auffahrt war genial, was sich wiederum wohl nur durch Bilder schildern laesst. Formationen, Farben, Kontraste, Schluchten, Lamas, Berge und Weite. Kaputt war ich um 23 Uhr wieder in der Juche, fiel ins Bett und schlief.

Jetzt bin ich nach einer 14 stuendigen Horrorfahrt (es gibt wohl an die hundert verschiedene Busunternehmen, Panamericana ist die schlechteste) von Salta wieder in Cordoba und arbeite wieder fleissig im Goethe Institut. Mein Resumee der Reise:

Alle Klimazonen erlebt, die eine Landschaft nicht mit dem anderen vergleichbar, wie sollte das auch bei 11.000 km Reiseweg moeglich sein. Vier Wochen gingen vorbei wie eine. Mein Tip: Spart und schaut euch Argentinien an, auch wenn es teuer ist.